Warum bin ich eigentlich Krankenschwester geworden?

Warum bin ich eigentlich Krankenschwester geworden?

Warum bin ich eigentlich Krankenschwester geworden?

Beitrag von Bettina Jung

Es war ein Beruf, der mir früh ermöglicht hat, ausreichend Geld zu verdienen um selbstständig zu sein. Obwohl ich immer unglaublich gerne gelernt habe, verließ ich die Schule nach Klasse 10.

Es gab viele Vorbilder in meinem Umfeld. Und der Beruf war beliebt. In Zeiten ich denen ich mich für diesen Beruf entschieden habe, kamen auf einen Ausbildungsplatz 20 Bewerbungen.

Ich hatte eine großartige Ausbildung an einer Uniklinik. Meine Lehrerin war gerade 10 Jahre älter als ich und verfolgte das Prinzip: Wachsen lassen, stärken, die Rolle des Patienten verstehen. Deshalb haben wir uns selbst Magensonden geschoben, Kochsalzspritzen gegeben, Joghurt gefüttert.

Allerdings, sie war eine der wenigen mit diesem Selbstverständnis in ihrer Profession  – ich hatte Glück! Ihre Haltung lehrte mich, das Pflege eine Profession ist. Allerdings erinnere ich mich heute noch an eine Unterrichtseinheit mit dem Inhalt, Pflege sei eine Art „Semi“-Profession, ohne zu verstehen, was das wirklich bedeutet.

Weil ich so gerne lerne, habe ich frühestmöglich eine Fachausbildung absolviert, war dann Fachkrankpflegerin für Innere Intensivmedizin. Und liebte meinen Beruf.

Eines meiner prägensten Erlebnisse als Intensivpflegekraft:

Ein junger Mann, um die 30, ist totkrank, wird beatmet. Seine Frau legt eine Rose auf seinen beatmeten, ansonsten bewegungslosen Körper. Sie geht und ich hole eine Vase für die Rose. Als sie später wiederkommt, nimmt sie die Rose und legt sie wieder auf die Bettdecke und bittet mich, es so zu belassen.

Zwei Tage später stirbt dieser junge Mann. Seine Frau und sein Vater bitten, mit ihm alleine sein zu dürfen und eine rituelle Waschung praktizieren zu dürfen. Wir willigen sofort ein. Die Tür wird geschlossen – es dauert. Der Oberarzt sieht das, ist außer sich: Wir sind hier auf einer Intensivstation und möchte ins Zimmer stürmen. Mein Kollege stellt sich vor die Tür und sagt freundlich und ruhig:

„Die Tür bleibt so lange zu, wie diese Angehörigen es brauchen und wir noch ein freies Bett haben.“

Was dann kommt, treibt mir bis heute die Tränen in die Augen. Es lässt mich dankbar sein, so viel gelernt zu haben von meinem Kollegen und von dieser Angehörigen. Ich habe erfahren, was es bedeutet,  Raum zu geben, Raum zu halten, Abschied ein Ritual zu geben, für sich und seine Bedürfnisse einzustehen:

Nach etwa 2 Stunden schieben die beiden Angehörigen das Bett mit ihrem Mann, seinem Sohn aus dem Zimmer. Er trägt einen selbstgestrickten Pullover, die vertrockneten Rosenblätter sind über ihn verstreut.

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Blogbeispiel 2

Seit Jahrzehnten arbeite ich in der Gesundheitsbranche. Ich muss zugeben, irgendwann hatte ich mich fast damit abgefunden, dass meine Ideen einfach nicht in die Realität passen. Zwei Beispiele: (1) Als die Polikliniken der neuen Bundesländer geschlossen wurden habe ich mich gefragt – wieso eigentlich? Das ist doch ein prima Ansatz! (2) Spätestens seit ich Schulkantinenessen kenne frage ich mich: Warum investiert das Gesundheitssystem nicht in Gesundheit?

Es hat gedauert.

Bis ich mir selbst explizit mehr glaubte, als den Ton angebenden „Das-geht-nicht-Expertenmeinungen“ der letzten Jahrzehnte. Es war eine persönliche Entwicklung, wieder die #Möglichkeiten sehen zu können.

Jetzt gibt es dieses Buch. Es fasst in klare, verständliche Sätze, WAS im Gesundheitswesen Veränderung braucht und vor allem WIE dieser Richtungswechsel möglich werden kann. Vera Starker als Wirtschaftspsychologin und Juristin, David-Ruben Thies als Krankenpfleger und Ökonom, Mona Frommelt als Medizinerin bringen eine umfassende Perspektivenvielfalt ein. Es gelingt, jedes Zimmer, jedes Gebäude, ja das Gelände Gesundheitswesen komplett neu zu denken. Mit enormer Systemkenntnis, unglaublicher Rechercheintesität und geleitet von gesundem Menschenverstand entsteht ein Bild voller Möglichkeiten.

Inhalt:

1. Prägung des Gesundheitswesens

Es geht nicht um „gesund“ sondern alles dreht sich um „krank“. Ein elementarer Systemfehler. Die Analogie zu unserem Rechtssystem macht es so wunderbar deutlich: Können wir uns vorstellen, dass sich unser Rechtswesen am Unrecht orientiert? Im Gesundheitswesen tun wir genau das.

Die Analyse der Hierarchien im System wirft einen Scheinwerfer auf (1) Bürokratie und Profitorientierung, auf die (2) verschiedenen Berufsgruppen und auf (3) tradiertes Führungsverhalten. Diese Dreigliederung erschwert Interaktion ebenso wie patientenzentrierte Kooperation der im Gesundheitswesen Tätigen. Dabei ist die eigentliche Aufgabe von Hierarchie, die Interaktion und Kommunikation zu erleichtern. Die entwickelte Modellbildung zu den drei Hierarchien trägt zum Verständnis des Problems bei und lässt Lösungen aufscheinen.   

2. Der Patient

Dieses Kapitel wird durch das das Zitat von Dr. Eckard von Hirschhausen auf den Punkt gebracht: „Die Kunst in der Medizin besteht aber darin, so wenig zu tun wie möglich. Das passt nicht zur Ökonomisierung des Systems, wie sie schon lange vor den DRG ausgerichtet war.

3. Utopie und New Work-Modell:

Das Gesundheitswesen der Zukunft wird modelliert auf der Grundlage folgender von den Autor:innen entwickelten sieben New Work Prinzipien für die Medizin (abgeleitet von den fünf humanfy-New Work-Prinzipien):

1 – Selbstverantwortung 2- Kooperation der Professionen 3 – Partizipative Hierarchie und hybride Führung, 4 – Sinn, 5 – Fokussiertes Arbeiten, 6 – Entwicklung, 7 – Soziale Verantwortung. Das Buzzword New Work wird greifbar, konkrete Strategien und Handungsoptionen lassen ein reales Bild von einer Zukunft entstehen, die sich wirklich unterscheidet. Prototypische Ansatzpunkte für jedes dieser Prinzip weisen den Weg in die Realisierung der Utopie.

4. Realisierung:

Mit der Entwicklung des Vier Sterne Plus ****-Hotels in den Eisenberg zeigen die Autor:innen ein ganz konkretes Projekt, in dem ein Stück Utopie in Realität gewandelt wurde. Dort, im Europäischen Orthopädiezentrum Waldkliniken Eisenberg, ist die Behandlung eingebunden in ein Wohlfühlkonzept für alle Patient:innen. Auch und gerade der und die gesetzlich Versicherte! Der Patient:Pflegeschlüssel beträgt dort inzwischen 7:1 (bundesweiter Durchschnit 14:1). (David-Ruben Thies im Meetup von #NWGW)

Was ich neu entdeckt habe:

Die Fundierung einer meiner persönlichen Überzeugungen: Auf individueller Ebene können wir alle sofort Veränderung auf den Weg bringen. Es ist eine Frage des Menschenbilds, ob wir mit unseren Worten Möglichkeiten öffnen oder verhindern. (Experiment zu Priming von John A. Bargh, S. 108).

Was ich für eine Besonderheit des Buches halte:

Den Komplexitätsgrad des Themas mit einer großen Klarheit und Verständlichkeit veranschaulicht zu vorzufinden.

Ein echtes Xtra im Buch:

Mit den Prototypischen Ansatzpunkten im New-Work-Modell kann JEDE:R sofort (!) in die Umsetzung gehen. Think big, start small.

Überraschend für mich ist:

Es ist möglich, ein komplettes System – von Forschung und Lehre, über #Führung, Zusammenarbeit und #Hierarchien, alle Berufsgruppen und #Kostenträgerinnen – neu zu denken, keinen Stein auf dem anderen zu lassen, ohne mit Vorwürfen und Anklagen zu hantieren.

Tabus entzaubern OHNE irgend jemanden zu beschämen – GEHT!

Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. 

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Was möglich ist

Was möglich ist

Zwei Kinder gehen gleichzeitig von unterschiedlichen Orten aber gleicher Entfernung im Auftrag ihrer Eltern Brötchen für das Frühstück holen. Es ist der erste Urlaubstag, der Ort ist fremd. Beim Bäcker treffen sich die beiden nicht, obwohl sie genau gleich schnell zu Fuß unterwegs sind. Warum?

Eine mögliche Erklärung:

Kind 1, nennen wir sie Julia, wurde verabschiedet mit den Worten „Der Bäcker ist 2 Straßen weiter, Du wirst ihn schnell finden“.

Kind 2, Julian, hört folgenden Satz „der Bäcker ist 2 Straßen weiter, ich habe gestern Abend ewig gesucht.“

Kind 2 kommt erst beim Bäcker an, als Kind 1 schon wieder zurück ist. 

Was mag die Ursache sein? In Forschungen dazu, wie unser Verhalten durch Worte beeinflusst wird, haben erstaunliche Ergebnisse gebracht. Ganz neutral wurde das nachgewiesen in der Studie x, angeführt in Starker, Thiess, Frommelt: New Work in der Medizin. Zitat: ……………………………… „

OK. Wenn ich das ernst nehme, dann wird mir klar, wie sehr wir mit unserer Spreche auf andere Menschen wirken, welche Handlungs- und Einflussmöglichkeiten wir haben. Sei es auf unser Team, unsere Kolleg*innen, unsere Vorgesetzten, unsere Kinder, kurz unsere Mitmenschen.

Was folgt daraus?

Mit jedem Satz nehme ich Einfluss. Schwächt er mein Gegenüber? Oder lässt er Entwicklung zu?

Dazu könnte man jetzt sehr viele einzelne Aspekte betrachten, angefangen von Macht bishin zu optimistischer oder pessimistischen Grundhaltungen und ihren Auswirkungen. Mir geht es heute darum zu zeigen, das wir (fast) immer Handlungsspielräume haben. Unsere Wortwahl nimmt darauf einen gehörigen Einfluss. 

Hier ist die Einladung sich zu beobachten, das Experiment zu wagen. 

im Layout ein Zitat vorsehen und eine Verlinkung zu einem Beispiel

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