Seit Jahrzehnten arbeite ich in der Gesundheitsbranche. Ich muss zugeben, irgendwann hatte ich mich fast damit abgefunden, dass meine Ideen einfach nicht in die Realität passen. Zwei Beispiele: (1) Als die Polikliniken der neuen Bundesländer geschlossen wurden habe ich mich gefragt – wieso eigentlich? Das ist doch ein prima Ansatz! (2) Spätestens seit ich Schulkantinenessen kenne frage ich mich: Warum investiert das Gesundheitssystem nicht in Gesundheit?

Es hat gedauert.

Bis ich mir selbst explizit mehr glaubte, als den Ton angebenden „Das-geht-nicht-Expertenmeinungen“ der letzten Jahrzehnte. Es war eine persönliche Entwicklung, wieder die #Möglichkeiten sehen zu können.

Jetzt gibt es dieses Buch. Es fasst in klare, verständliche Sätze, WAS im Gesundheitswesen Veränderung braucht und vor allem WIE dieser Richtungswechsel möglich werden kann. Vera Starker als Wirtschaftspsychologin und Juristin, David-Ruben Thies als Krankenpfleger und Ökonom, Mona Frommelt als Medizinerin bringen eine umfassende Perspektivenvielfalt ein. Es gelingt, jedes Zimmer, jedes Gebäude, ja das Gelände Gesundheitswesen komplett neu zu denken. Mit enormer Systemkenntnis, unglaublicher Rechercheintesität und geleitet von gesundem Menschenverstand entsteht ein Bild voller Möglichkeiten.

Inhalt:

1. Prägung des Gesundheitswesens

Es geht nicht um „gesund“ sondern alles dreht sich um „krank“. Ein elementarer Systemfehler. Die Analogie zu unserem Rechtssystem macht es so wunderbar deutlich: Können wir uns vorstellen, dass sich unser Rechtswesen am Unrecht orientiert? Im Gesundheitswesen tun wir genau das.

Die Analyse der Hierarchien im System wirft einen Scheinwerfer auf (1) Bürokratie und Profitorientierung, auf die (2) verschiedenen Berufsgruppen und auf (3) tradiertes Führungsverhalten. Diese Dreigliederung erschwert Interaktion ebenso wie patientenzentrierte Kooperation der im Gesundheitswesen Tätigen. Dabei ist die eigentliche Aufgabe von Hierarchie, die Interaktion und Kommunikation zu erleichtern. Die entwickelte Modellbildung zu den drei Hierarchien trägt zum Verständnis des Problems bei und lässt Lösungen aufscheinen.   

2. Der Patient

Dieses Kapitel wird durch das das Zitat von Dr. Eckard von Hirschhausen auf den Punkt gebracht: „Die Kunst in der Medizin besteht aber darin, so wenig zu tun wie möglich. Das passt nicht zur Ökonomisierung des Systems, wie sie schon lange vor den DRG ausgerichtet war.

3. Utopie und New Work-Modell:

Das Gesundheitswesen der Zukunft wird modelliert auf der Grundlage folgender von den Autor:innen entwickelten sieben New Work Prinzipien für die Medizin (abgeleitet von den fünf humanfy-New Work-Prinzipien):

1 – Selbstverantwortung 2- Kooperation der Professionen 3 – Partizipative Hierarchie und hybride Führung, 4 – Sinn, 5 – Fokussiertes Arbeiten, 6 – Entwicklung, 7 – Soziale Verantwortung. Das Buzzword New Work wird greifbar, konkrete Strategien und Handungsoptionen lassen ein reales Bild von einer Zukunft entstehen, die sich wirklich unterscheidet. Prototypische Ansatzpunkte für jedes dieser Prinzip weisen den Weg in die Realisierung der Utopie.

4. Realisierung:

Mit der Entwicklung des Vier Sterne Plus ****-Hotels in den Eisenberg zeigen die Autor:innen ein ganz konkretes Projekt, in dem ein Stück Utopie in Realität gewandelt wurde. Dort, im Europäischen Orthopädiezentrum Waldkliniken Eisenberg, ist die Behandlung eingebunden in ein Wohlfühlkonzept für alle Patient:innen. Auch und gerade der und die gesetzlich Versicherte! Der Patient:Pflegeschlüssel beträgt dort inzwischen 7:1 (bundesweiter Durchschnit 14:1). (David-Ruben Thies im Meetup von #NWGW)

Was ich neu entdeckt habe:

Die Fundierung einer meiner persönlichen Überzeugungen: Auf individueller Ebene können wir alle sofort Veränderung auf den Weg bringen. Es ist eine Frage des Menschenbilds, ob wir mit unseren Worten Möglichkeiten öffnen oder verhindern. (Experiment zu Priming von John A. Bargh, S. 108).

Was ich für eine Besonderheit des Buches halte:

Den Komplexitätsgrad des Themas mit einer großen Klarheit und Verständlichkeit veranschaulicht zu vorzufinden.

Ein echtes Xtra im Buch:

Mit den Prototypischen Ansatzpunkten im New-Work-Modell kann JEDE:R sofort (!) in die Umsetzung gehen. Think big, start small.

Überraschend für mich ist:

Es ist möglich, ein komplettes System – von Forschung und Lehre, über #Führung, Zusammenarbeit und #Hierarchien, alle Berufsgruppen und #Kostenträgerinnen – neu zu denken, keinen Stein auf dem anderen zu lassen, ohne mit Vorwürfen und Anklagen zu hantieren.

Tabus entzaubern OHNE irgend jemanden zu beschämen – GEHT!

Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass ……. Das bedeutet, dass …….